Woche 1 · PLM-Grundlagen
Hallo PLM: Warum es diesen Blog gibt und was PLM 2026 bedeutet
Warum es diesen Blog gibt
Ich arbeite seit 14 Jahren im PLM-Umfeld. Angefangen habe ich als Teamcenter-Entwickler, danach kamen Implementierungen in der Luftfahrt und im Automobilbau, heute leite ich Teams in großen Siemens-Projekten. In all den Jahren ist mir eines aufgefallen: Kurze, praxisnahe Texte über PLM, die aus dem Projektalltag kommen, gibt es kaum.
Dabei bewegt sich die Branche schneller denn je. KI kommt im PLM tatsächlich an, große Übernahmen und Transformationsprogramme folgen dicht aufeinander. Ich mache mir dazu laufend Notizen; dieser Blog ist die geordnete Fassung davon.
Das Prinzip ist einfach: jeden Samstag um 09:30 Uhr ein PLM-Konzept. Ich erkläre das Thema verständlich, ergänze die wirklich wichtigen Nachrichten der Woche mit Quellen und sage, wie ich es aus der Praxis sehe. Keine langen Newslisten, keine Marketingsprache.
Der Blog richtet sich an Ingenieure, Lösungsarchitekten, Projektleiter und alle, die neu im PLM sind. Die Beiträge erscheinen auf Türkisch, Englisch und Deutsch. Wer anderer Meinung ist, schreibt mir auf LinkedIn oder über die Kontaktseite; dort entstehen die besten Diskussionen.
Fangen wir mit dem ersten Thema an.
Seit Jahren beginne ich jede PLM-Erklärung mit demselben Satz: PLM ist keine Software, sondern eine Arbeitsweise, die Produktdaten von der Entstehung bis zum Lebensende führt. Zwei Nachrichten aus dem Oktober 2026 zeigen, dass dieser Satz kein Beraterspruch mehr ist.
Mercedes-Benz: Digital Thread mit PLM.AI
Am 16. Oktober hat Mercedes-Benz PLM.AI vorgestellt, ein weltweites Programm für alle Fahrzeugbaureihen. Den PLM-Kern liefert CONTACT Software mit CONTACT Elements. Siemens baut die langjährige Partnerschaft in Konstruktion, Simulation und digitaler Absicherung aus. Mercedes spricht von einer Investition von rund einer halben Milliarde Euro und will die Entwicklungszeit um bis zu 30 Prozent verkürzen. Am spannendsten finde ich: Datenmodelle, Architektur und Governance legt Mercedes selbst fest, und die Hoheit über die Daten und die darauf trainierten KI-Modelle bleibt im Haus.
Aus meiner Sicht bereitet sich Mercedes auf KI vor. Statt sich mit den Modellen der Anbieter zufriedenzugeben, will das Unternehmen ein LLM mit dem eigenen Know-how mit seinen Produktdaten verbinden. Das ist absolut nachvollziehbar. Wirklich interessant ist, dass es das mit einem deutlich kleineren Unternehmen wie CONTACT macht.
Schneider Electric und PTC: der größte PLM-Deal des Jahres
Am 5. Oktober hat Schneider Electric vereinbart, PTC für 205 Dollar je Aktie in bar zu übernehmen, bei einem Eigenkapitalwert von rund 22,6 Milliarden Dollar. Der Abschluss wird vorbehaltlich der Genehmigungen bis zum dritten Quartal 2027 erwartet. AVEVA gehört bereits zu Schneider; mit Windchill und Creo sollen Engineering-Daten und Betriebsdaten zusammenkommen.
Der Verkauf von PTC verändert die Branche, da bin ich mir sicher. Aber für ein Unternehmen dieser Größe ist ein Richtungswechsel schwer und mühsam. Wie wirksam diese Übernahme am Ende ist, wird sich zeigen.
Was PLM also nicht ist
- Kein reines CAD-Archiv. Bei beiden Nachrichten geht es um einen durchgängigen Datenfluss von der Entwicklung über die Fertigung bis zum Service.
- Kein reines IT-Projekt. Bei Mercedes liegen Governance und Datenhoheit im Fachbereich.
- Nicht das Produkt eines einzelnen Anbieters. Selbst die Großen arbeiten mit mehreren Partnern.
PLM in Zahlen
Laut dem CIMdata-Bericht vom Juni 2026 erreichte der PLM-Markt 2025 ein Volumen von 88,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Da KI überall auf der Agenda steht, wäre ein schnelleres Wachstum keine Überraschung.
Nächste Woche: EBOM und MBOM. Warum sind die Konstruktions- und die Fertigungsstückliste immer noch das Thema, über das am meisten gestritten wird?